„Ich kann doch nicht malen.“

Kunsttherapie hat vielleicht ein kleines bisschen mit Kunst, jedoch nichts mit Können zu tun.

Sie müssen nicht malen können, nicht kreativ sein, Sie brauchen nur die Bereitschaft sich einzulassen.

Manchmal gibt es keine Worte zu erfassen, um was es geht. Man kommt über Sprache nicht weiter. Hier setzt die Kunsttherapie an. Sie kann unterstützen und leiten. Sie kann einen Zugang zu nicht bewussten Aspekten der Persönlichkeit, ungelösten Konflikten, Gefühlen, Ängsten, Sorgen, Glaubenssätzen, Verhaltensstrukturen und Ähnlichem, ermöglichen.

Dies klingt vielleicht beim Lesen schwierig oder anspruchsvoll. In der Durchführung ist es ist weder das eine noch das andere. 

Eine Patientin kommt in die Praxis und berichtet von wiederkehrenden Schwierigkeiten in Beziehungen. Nicht nur in der Partnerschaft, auch mit Freunden und gesellschaftlich.
Sie versucht immer alles richtig zu machen und für die anderen da zu sein.
Genauer kann sie es nicht erklären oder erfassen.
Ich lade sie ein „Ich und die anderen“ zu gestalten. Ich bitte sie, nicht darüber nachzudenken, was das bedeuten soll oder was sie konkret malen soll. „Vertrauen Sie Ihrem Unterbewusstsein. Das hat diesen Satz schon verstanden. Lassen Sie sich nur ein.“ Ich gebe eine Zeitvorgabe von 10 min, wodurch wir den analytischen Verstand umgehen.
Die Patientin malt folgendes Bild und ich frage sie, wie es ihr dabei ging es zu malen und was sie jetzt dort wahrnimmt:

Ich bin ganz überrascht, wie schnell da diese Kette war. Das hat sich sofort richtig angefühlt. Ich bin mit den anderen nicht nur verbunden, sondern habe selbst auch keine eigene Farbe. Das Verbundensein als Kette fühlt sich auch nicht gut an. Da ist man eben aneinander gekettet, nicht frei, kein Ich.
Das ist genau das, wie ich mich immer mit anderen fühle. Das jetzt hier so auf das Papier zu malen war erst schwer, aber es nun anzuschauen ist auch gut.


Im nächsten Schritt lade ich sie ein, zu gestalten „was es braucht“. Auch hier bitte ich sie nicht darüber nachzudenken, sondern direkt in die Gestaltung zu gehen. Wir schauen uns wieder gemeinsam das Bild an:

Ich wusste sofort, was ich malen muss. Es war klar, dass ich die Kettenglieder vereinzeln muss. Jetzt sind trotzdem noch alle da und beieinander, aber ich habe selbst auch eine eigene Farbe.
In dem Bild fühle ich mich viel wohler.

Wenn das Bedürfnis besteht, kann man über diese Bilder zum Abschluss noch eingehender sprechen. Oft reicht es aber, die Bilder selbst auf das Unterbewusste wirken zu lassen und eine Veränderung aus sich selbst heraus entstehen zu lassen.

Über die Gestaltung ist es oft sehr viel einfacher auszudrücken, wie es mir geht und was ich tun kann. Ich bekomme oft zu hören: „Ich hätte das so gar nicht in Worte fassen können“ oder „Ich hätte nicht gedacht, dass man da noch was ändern kann“.
Dies ist nur ein kleines von vielen Beispielen, wie man die Kunsttherapie anwenden kann.